Chronik der Schützengesellschaft Sulgen

Im Jahre 1850 ergriffen zwei wackere Männer die Initiative und gründeten die Schützengesellschaft Sulgen-Bürglen. Es waren dies die Herren Munz, "zum Bad" Sulgen und Gemeindeammann Häberlin aus Bürglen. An der ersten Schiessübung am 11. August 1850 nahmen 15 Schützen teil. Die Schiessanlage befand sich im Bad Sulgen (zwischen Sulgen und Bürglen); geschossen wurde in die Richtung des Kappelerrain auf eine Distanz von 225 Metern. Während 25 Jahren war Gemeindeammann Häberlin Präsident der Schützengesellschaft. Das damalige Einzugsgebiet war bedeutend grösser als heute und umfasste auch verschiedene Nachbargemeinden. Den Initianten war vor allem die Förderung der Wehrbereitschaft und das militärische Schiesstraining ein grosses Anliegen. Der Schiesssport an und für sich spielte dazumal noch eine untergeordnete Rolle.

Im Jahr 1875 wurde in Bürglen ein neuer Verein gegründet, was zur Folge hatte, dass die Schützen aus Bürglen diesem Verein beitraten. Im gleichen Jahr wurde in der Grabenwiese, nördlich des Pfaffenholzes ( entlang der Nordbahn) Land erworben, um eine neue Schiessanlage zu erstellen. Herr Haag "zum Schweizerhof", Sulgen stellte grosszügigerweise ein kleines Haus als Schützenhaus zur Verfügung. 

1850 schossen die Infanteristen mit dem Stutzer Modell 1842, während die militärischen Scharfschützen mit dem Stutzer Modell 1851 übten. Diese Perkussionsgewehre wurden in relativ schneller Folge ausgewechselt. 1856 schoss man mit dem Infanteriegewehr, ab 1863 mit dem Jägergewehr und ab 1864 nochmals mit einem Infanteriegewehr. Dazumal betrug die Schiessdistanz 200 Schritt. Mit Einführung der Vetterligewehre ab 1871 wurde zunehmend auf 300 Schritt geschossen. In den Jahren 1875, 1901 und 1910 wurde deshalb die Schiessanlage durch Landkäufe erweitert, um diese den neuen Vorschriften anzupassen. 

Nach Einführung des Ordonanzgewehres Modell 89 um 1890 befürchtete die SBB eine Gefährdung des Bahnbetriebes und verlangte die Einstellung des Schiessbetriebes. Zu gleicher Zeit wurde auch beanstandet, dass die Strasse nach Gutbertshausen in der Schusslinie liege. Diese Umstände hatten zur Folge, dass erneut nach einem anderen Schiessplatz Ausschau gehalten werden musste. Nach vergeblichem Suchen und langwierigen Verhandlungen wurde die Schiesstätigkeit wieder bewilligt, nachdem zusätzliche Blenden erstellt und die Wälle erhöht worden waren. 

Nach dem 50-Jahr-Jubiläum im Jahre 1900 vergrösserte sich der Verein. Für die guten Schützen war es unbefriedigend, dass viele Schützen nur die obligatorischen Übungen absolvierten, während sie sich auch für die Teilnahme an Schützenfesten interessierten. Dieser Umstand führte dazu, dass im Jahr 1905 eine Militärschützen-Gesellschaft gegründet wurde, welchem mehrheitlich die "Obligatorisch-Schützen" beitraten. Der Vorstand dieser Gesellschaft wurde während einiger Jahre durch Leute der Schützen- gesellschaft besetzt, bis sich dann mit der Zeit die vollständige Trennung ergab. Nach 68-jährigem friedlichem Nebeneinander schlossen sich die beiden Gesellschaften, geführt von den Präsidenten Ernst Huber bei den Militärschützen und Jakob Kohler bei der Schützengesellschaft, unter dem Namen Schützengesellschaft Sulgen im Jahre 1973 wieder zusammen. 

Zu Beginn des ersten Weltkrieges (1914-1918) wurden neue Ordonanzwaffen eingeführt, der legendäre 11-er Karabiner sowie das 11-er Langgewehr, welche sich durch eine grössere Rasanz und Durchschlagskraft auszeichneten. Dies führte zur Abschätzung des Schiessstandes Grabenwiese und erforderte die Einstellung des Schiessbetriebes. 

Am 11.8.1919 erwarb die Munizipalgemeinde im Buchholz und im Schliebrig Land. Unter dem Vorsitz von Paul Burkhart, Sulgen hielt die bestellte Baukommission am 4.7.1919 eine erste Sitzung ab. In der Folge wurde innert eines Jahres der heutige, für die damalige Zeit grosszügige Schiessstand im Buchholz errichtet. Aus dem Protokoll der Baukommission geht hervor, dass die neue Schiessanlage auf Fr.37'143.45 zu stehen kam. Nach Abzug der Beiträge von Munizipalgemeinde, Bund und Kanton sowie von Fr. 4'000.-- für den Verkauf des alten Schützenhauses, blieb für die beiden Schützengesellschaften eine Restschuld von Fr. 4' 431.--. Im Jahre 1921 wurde die Anlage mit einem Freischiessen eingeweiht. 

Rührige Vereinspräsidenten sorgten in der Folge immer wieder für Schlagzeilen der Schützengesellschaft Sulgen. So wurde 1930 ein offenes Standschiessen durchgeführt, im Jahre 1950 fand zur Feier des 100-jährigen Bestehens ein Jubiläumsschiessen statt, an welchem während sechs Tagen 1520 Schützen teilnahmen. Geschossen wurde auf 14 Scheiben, das Plansoll für dieses Fest betrug Fr. 26'000.--. Weiter gab es 1956 ein Standweih- und 1961, unter dem Vereinspräsidium von Druckereibesitzer Hans Bircher, ein Fahnenweihschiessen mit 1300 Teilnehmern. 

Es kam dann die Zeit von Ernst Huber, dem vormaligen Militärschützen- Präsidenten ( 1966 -1973 ). Als bereits verdientes Ehrenmitglied übernahm er von 1979 bis 1985 das Vereinspräsidium und steuerte einen Vorwärtskurs, welcher die Schützengesellschaft mit Riesenschritten weiterbringen sollte. Diese Leistung brachte ihm als bis heute Einzigem in der Vereinsgeschichte den Titel eines Ehrenpräsidenten ein. 

Am 28.9.1982 wurde der Umbau des Schützenhauses und des Scheibenstandes beschlossen und eine Baukommission eingesetzt. Der Vorsitz wurde Werner Aeschbacher übertragen, während für die übrigen Chargen die Kameraden Ernst Huber, Fredi Haller, Max Keller, Hansruedi Römer und Bruno Sacchet gewählt wurden. Dringend nötig war die Neudeckung des Daches, die Sanierung der WC-Anlagen, die Zuführung von Wasser und die Erstellung eines neuen Büros mit Vordach. Der Scheibenstand musste überdacht werden und die Erstellung eines Scheibenraumes war nötig geworden. Der beantragte Kredit von Fr. 78'000.-- wurde einstimmig gutgeheissen. Die Finanzierung erfolgte durch Beiträge der Orts- und Munizipalgemeinde von insgesamt Fr. 28'000.--, durch Eigenkapital und Eigenleistungen von Fr. 26`000.--, sowie einem Bankkredit von Fr. 24'000.--. Nach gut gelungenem Abschluss der Bauarbeiten durfte festgestellt werden, dass der Bankkredit infolge grosszügiger Spenden nicht beansprucht werden musste. Von Vereinsmitgliedern und freiwilligen Helfern waren über 2500 Frondienststunden geleistet worden. Mit einem Tag der offenen Tür und einem Gönnerschiessen wurde die renovierte Anlage am 3. 7.1983 dem Betrieb übergeben. Das eigentliche Standweihschiessen fand am 5., 12. und 13. Mai 1984 statt, an welchem 61 Gastsektionen mit insgesamt 1210 Schützen teilnahmen. 

Eine weitere grosse Anschaffung wurde am 4.4.1987 beschlossen. Für die Ausrüstung von 6 Scheiben mit einer elektronischen Trefferanzeige System SIUS wurde ein Kredit von Fr. 150'000.-- bewilligt. Nach Beiträgen von Gemeinde und Sport- Toto-Fonds, durch Eigenleistungen und Einsatz von Eigenmitteln und von erwarteten Spenden verblieb ein Restbetrag von Fr. 20'000.--, welcher durch einen Bankkredit zu decken war. Dank gutem Rechnungsabschluss 1987 und Spenden von über 15'000 Franken, musste auch diesmal kein Fremdgeld aufgenommen werden. Am 1.5.1988 wurde die technische Neuerung mit einem Gönnerschiessen eingeweiht. Bereits zwei Jahre später, am 31.3.1989 wurde beschlossen, auch die beiden restlichen Scheiben auf elektronische Trefferanzeige umzurüsten. Der nötige Kredit von 33'000 Franken wurde einstimmig genehmigt. Auf Grund einer Offerte der Firma SIUS beschlossen die Sulger Schützen am 24.3.1995 die gesamte elektronische Trefferanzeige für Fr. 47'000.-- auf den neuesten technischen Stand auszubauen. Diese technische Nachrüstung war beim Beginn des Fahnenweihschiessens am 26. Mai 1995 beendet. 

Die vorläufig letzte grosse Arbeit, die Renovation des Schützenhauses, wurde am 14.8.1998 beschlossen. In der Folge wurde das Schützenhaus um 1,3 Meter vergrössert, Einzelpritschen lösten die ausgedienten, durchlaufenden Läger ab und das stattliche Gebäude erhielt nebst einer zeitgemässen Isolierung eine neue Eternitfassade. Zudem wurde das Dach des Schützenhauses saniert und vergrössert. Bei über 1500 geleisteten Frondienststunden der aktiven Schützen verblieben der Gesellschaft , nach Abzug der Eigenleistungen, noch Kosten von Fr. 60'500.--. Daran leistete die Gemeinde Sulgen einen Beitrag von Fr. 20'000.--. 

Im Laufe des Jahres 1988 fand Mathias Müller in seinem Estrich eine Standarte aus dem Jahre 1949 der ehemaligen Militärschützengesellschaft. Diese gut erhaltene Standarte konnte für nur Fr. 1'500.- auf die Schützengesellschaft "umgebaut" werden. Anlässlich der Jahresversammlung 1989 wurde beschlossen, diese gehörig einzuweihen und am 25., 26., 27. Mai sowie 2. und 3. Juni 1995 ein Standartenweihschiessen durchzuführen. Dieses Schiessen, unter dem Präsidium von Werner Aeschbacher, war ein grosser Erfolg, nahmen doch 89 Schiessvereine mit insgesamt 1847 Schützinnen und Schützen daran teil.  

Anlässlich der Jahresversammlung vom 18.3.1994 wurde festgestellt, dass sich die Vereinsfahne in sehr schlechtem Zustand befand und nicht mehr zu reparieren war. Einstimmig wurde beschlossen eine neue Fahne anzuschaffen und man bewilligte den nötigen Kredit. Kurz vor der Fahnenweihe wurde bekannt, dass das neue Vereinsemblem durch die Vereinsmitglieder Ernst Huber und Willi Gfeller gespendet worden sei. Die Würdigung für diese grossartige Spende erfolgte anlässlich des Fahnenweihschiessens, welches von 25.5. bis 3.6.1995 stattfand. Als OK-Präsident für diesen Anlass konnte Bruno Sacchet gewonnen werden. 

Dem OK kann attestiert werden, dass das Schützenfest einwandfrei organisiert war und reibungslos über die Bühne ging. 99 Gastsektionen mit 1865 Schützinnen und Schützen gaben unserem Verein und damit unserer Fahne durch ihre Teilnahme die Ehre. 

Erwähnenswert ist noch die Beteiligungen am Eidgenössischen Schützenfest 1990 in Winterthur, konnte der Verein doch für das Resultat von 47,138 Punkten einen Lorbeerkranz mit Goldblatt heimtragen. Dieser 50. Rang von 805 Sektionen trug unserem Verein zudem den Aufstieg in die 2. Kategorie ein. 

29 Sulger Schützen erkämpften sich am Eidg. Schützenfest 1995 in Thun den 121. Rang von 548 Sektionen. Es zeigte sich, dass der Aufstieg in die 2. Kategorie bessere Resultate erfordert, doch kehrte der Verein auch diesmal mit Goldblatteinlage heim.  

Es kam aber noch besser! Vom 66. Thurg. Kantonalschützenfest 1998 in Kreuzlingen kehrten die 32 Sulger-Schützen mit dem Gold-Lorbeerkranz nach Hause. Das Durchschnittsresultat von 74,671 Punkten bedeutete den Kategoriensieg und gleichzeitig den Aufstieg in die 1. Kategorie. 

Im Zusammenhang mit den schiesserischen Leistungen soll noch die Stamm- Mitgliedschaft im Morgarten-Schützen- Verband erwähnt werden. Diese Beziehung wird seit 80 Jahren (mit wenigen Ausnahmen) sorgsam gepflegt. Erster Bechergewinner für Sulgen war im Jahr 1919 Viktor Altwegg, geb. 1894, welcher bis ins hohe Alter in unserem Verein dem Schiesssport huldigte. 

Im Jahre 2000 feierte die Schützengesellschaft Sulgen unter dem bewährten Präsidium von Werner Aeschbacher ihr 150-jähriges Bestehen. Dies war für die äusserst aktiven Schützen Grund genug, zu einem Jubiläumsschiessen, wiederum unter der OK-Leitung von Bruno Sacchet, einzuladen. Gleichzeitig wollte man auch die im Herbst/Winter 1999/2000 getätigten Umbauten und Modernisierungen einweihen. Dieser Grossanlass ging am 19./20. Mai und vom 2. bis 4 Juni 2000 über die Bühne. 1804 Schützinnen und Schützen aus 105 Sektionen kämpften am Jubiläumswettbewerb um Sieg und Ehre. Um der Bevölkerung von Sulgen die Referenz zu erweisen, lud der jubilierende Ortsverein anlässlich des Festaktes vom Auffahrtsdonnerstag die Behörden und Vereine ein, an einem freundschaftlichen Wettschiessen teilzunehmen. 88 Teilnehmerinnen und Teilnehmer freuten sich am Gruppensieg des Reitvereins, der den Badmington-Club und den Gemeinderat auf die Ehrenplätze verwies.

Die letzte grosse Neuerung schliesslich wurde im Winter 2001/02 installiert. Die Gemeinde beteiligte sich mit ca. Fr. 27'000.- an der Anschaffung von 8 Lärmschutztunnels. Damit entspricht der Schiessstand Sulgen der aktuellen Lärmschutzverordnung des Bundes und darf als eine der modernsten 300 m Schiesssportanlage in der Region bezeichnet werden. 

Jugendliche, Neuzuzüger, aber auch bereits ansässige interessierte Sulgerinnen und Sulger sind jederzeit herzlich willkommen, am kollegialen und Leistungssport orientierten Vereinsleben der Sulger 300 m-Schützen teilzunehmen. Präsident Hanspeter Kernen, erreichbar unter der Telefon  Nummer 071 642 17 29 oder unter der e-mail-Adresse hanspeter.kernen@srtechnics.com gibt Ihnen gerne Auskunft.